Ein Tag im Seminar

Wie sieht ein typischer Tag für einen Seminaristen aus? Wir wollen die gerechtfertigte Neugierde unserer Leser befriedigen.

Um 6:15 Uhr ist es Zeit zum Aufstehen, und nach einer halben Stunde finden sich alle um 6:45 Uhr in der Kapelle ein, um die kanonische Hore der Prim zu beten, welcher die Betrachtung und die hl. Messe (7:30 Uhr) folgen. Die Seminaristen dienen abwechselnd den Priestern, welche in Verrua wohnen, bei der hl. Messe.

Nach dem Frühstück ist der ganze Vormittag (von 9 Uhr bis Mittag) mit Unterricht in Theologie, Philosophie, Apologetik, Liturgie und anderen kirchlichen Fächern ausgefüllt. Vor dem Mittagessen (12:30 Uhr) wird in der Kapelle ein Rosenkranz (freudenreiche Geheimnisse) gebetet.
Nach dem Essen erledigen die Seminaristen verschiedene Arbeiten, welche zum Gemeinschaftsleben notwendig sind (Abwaschen, Tischdecken, Hilfe in der Küche, Reinigung der Gemeinschaftsräume, Sakristeiarbeit). Dann ist bis 14:30 Uhr Freizeit. In dieser Zeit können die Seminaristen ein wenig spazierengehen in den schönen Hügeln des Monferrato, welche die Poebene mit ihren Reisfeldern in der Gegend um Vercelli überschauen; oder sie können sich bei einem Fußballspiel verausgaben.

Der Nachmittag ist dem persönlichen Studium gewidmet, während dessen der Unterricht vom Vormittag vertieft wird. Dieses wird nur von einer kurzen Pause für einen Imbiß und einem Besuch beim Allerheiligsten, den jeder Seminarist für sich machen muß, unterbrochen.
Im Laufe der Woche finden auch gewisse Kurse, etwa Latein oder gregorianischer Choral, am Nachmittag statt. Um 19:10 Uhr endet die Studienzeit, und die gesamte Gemeinschaft, die unterrichtenden Priester und die Seminaristen, findet sich zum Gebet eines weiteren Rosenkranzes in der Kapelle ein; danach ist das Abendessen um 19:30 Uhr. Nach dem Essen und den üblichen häuslichen Arbeiten ist Freizeit bis 21:00 Uhr. Dann wird die Komplet gesungen, welche das Ende des Tagewerks darstellt sowie den Beginn des „großen Stillschweigens“ zur Erholung des Leibes, bevor ein weiterer Tag beginnt, mit der Gnade Gottes. Um 22:00 müssen die Lichter gelöscht werden.

Am Sonntagmorgen und an Festtagen begeben sich die Seminaristen nach Turin, wo sie sich in der Kapelle Herz Jesu um den Gesang und den Altardienst bei der Messe kümmern. Der Sonntagnachmittag sowie der Donnerstagnachmittag sind zur Erholung da, damit die jungen Männer ein wenig ausspannen können.

Manche Seminaristen haben feste Aufgaben: Sakristei, Bibliothek, Katechismus für Kinder in Turin am Samstagnachmittag; abwechselnd kümmern sich alle um die notwendigen Dienste für den guten Ablauf des Gemeinschaftslebens.

Normalerweise findet einmal im Monat ein gemeinsamer ganztägiger Ausflug statt. Er kann in die Berge führen zum Wandern, in eine Stadt mit Kunstschätzen oder an einen Wallfahrtsort. Während der Sommermonate nehmen die Seminaristen nach einigen Wochen Ferien zuhause bei ihrer Familie auch an Ferienlagern für Kinder oder Jugendliche teil und kümmern sich um den guten Ablauf bei den geistlichen Exerzitien, welche vom Institut Mater Boni Consilii für die Gläubigen abgehalten werden. Dadurch bekommen sie einen besseren Einblick in ihr späteres Wirkungsfeld.

Das Gemeinschaftsleben im Seminar fordert eine tagtägliche, beständige Anstrengung, um sich zu verbessern: sorgfältiges Studium auf Universitätsniveau; Treue in den täglichen Aufgaben, um Verantwortungsbewusstsein und notwendiges Wissen als künftiger Priester zu erwerben. Auf diese Weise werden im Schatten des Altares, unter dem Schutz der Muttergottes vom Guten Rat und des hl. Petrus des Märtyrers, im Bestreben, der zweitausendjährigen Lehre der Kirche stets besser Folge zu leisten, die Priester für morgen ausgebildet. Deo gratias.

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